Einleitung zur Dokumentation
Vorwort des Kataloges von Jürgen Barth
Mit dem vorliegenden Katalog dokumentiert der Verein
Osnabrücker Schulmuseum e.V. Ideen zur Gestaltung des
Jubiläumsfestaktes anlässlich seines zehnjährigen Bestehens.
Seine Texte und Abbildungen sollen nicht nur in einer historisch
und örtlich begrenzten Ausstellung als Erklärungshilfe dienen.
Als Lesewerk will er den individuellen Erinnerungsweg
ermöglichen und Quelle für weiterführende Nachforschungen sein.
Am
Anfang der Vorbereitungen stand die Überzeugung, im Festakt auf
den sonst üblichen kalendarischen Rückblick zu verzichten. An
die Stelle einer aufzählenden Bilanz sollte die Unternehmung
treten, an einem Inhalt der regionalen Schulgeschichte
Zielsetzungen und Arbeitsweisen des Schulmuseums aufzuzeigen und
sie in der Form einer mit Aktivitäten ergänzten Ausstellung zu
präsentieren.
Im Verlaufe des Vorbereitungsprozesses kam ein glücklicher
Zufall zu Hilfe: Bei Recherchen zum legendären Osnabrücker
Steckenpferdreiter - ihm gilt eine weitere Arbeit, die im
kommenden Jahr zur Veröffentlichung ansteht - erhielt ich Mitte
2005 Nachricht von einem bildhauerischen Objekt am Außenkamin
des Hauses Düring an der Schöneberger Straße 44, das für das
genannte Vorhaben bedeutsam schien. Erwartungsvoll folgte ich
der freundlichen Einladung zum Besuch.
Die kleine Steinfigur in der Einfassung der Feuerstelle, ein
Halbrelief, das einen kindlichen Reiter mit Stecken darstellt
und mit seiner strengen Linienführung an gotische Bildelemente
erinnert, fand sofort meine ganze Aufmerksamkeit. Zudem
überraschten mich die Hausbesitzer mit einer ganzen Reihe
freistehender Skulpturen in ihrem Rosengarten. Nicht genug,
Dorothea und Dietrich Düring holten noch Zeichnungen,
Illustrationen, Drucke und Wandteppiche von künstlerischer
Qualität herbei, um dann zusammenzufassen:
"Nicht nur Ihr Steckenpferd, fast alle Gartenskulpturen und
vieles mehr im Hause stammt aus der Hand der Künstlerin Lotte
Klemm!"
Doch wer war Lotte Klemm? Wie Dietrich Düring, der Neffe der
Künstlerin, aufklärte, ließ Lotte Klemm das Haus an der
Schöneberger Straße nach eigenen Entwürfen in den 60er Jahren
erbauen. Und mit ihm sei in den Jahren ein außergewöhnlicher
Garten herangewachsen. Die gestaltete Einheit von Haus und
Garten seien ihr als Refugium und Lebensmittelpunkt immer von
übergeordneter Bedeutung gewesen.
Der Künstlerin galt bereits mein Interesse, als sich das
Gespräch dem beruflichen Weg Lotte Klemms zuwandte. Vierzig
Jahre habe sie an der Osnabrücker Möser-Mittelschule für Mädchen
als Kunsterzieherin und auch als Sportlehrerin gearbeitet, hieß
es. Damit ergab sich ein ganz neuer, enger Bezug zur Arbeit des
Vereins Osnabrücker Schulmuseum e.V. Jetzt drängten sich nicht
nur allgemeine Fragen nach dem besonderen Verhältnis von Kunst
und Kunsterziehung auf. Es zeigten sich plötzlich
schulgeschichtliche Perspektiven, die im Rahmen der aktuellen
Bemühungen um die Gestaltung des Vereinsjubiläums thematisch in
den Mittelpunkt rücken konnten.
Zur genaueren Klärung begann der Verein mit umfangreichen
Nachforschungen. Von dem eben beschriebenen Besuch bei den
Eheleuten Düring ausgehend, führten die Erkundungen über die
Nachbarschaft, den Freundeskreis bis zum Geburtsort von
Charlotte (Lotte) Klemm nach Bützow in Mecklenburg-Vorpommern.
Vor allem aber reihten sich mit Jahresbeginn 2007 mehr als
hundert Ehemalige der Möser-Mittelschule als Zeitzeugen in den
entstehenden Erinnerungsprozess ein, der bis heute andauert.
Im Verlauf der Recherchen kamen außergewöhnlich viele Bilder,
Drucke, Illustrationen und künstlerische Objekte wieder zum
Vorschein, die privat bewahrt wurden und die nicht nur wegen des
häufig gebrauchten Signets*, das sich aus den Namensinitialen L
und K ableitet, als Arbeiten von Lotte-Klemm zu identifizieren
sind. Ihre Besitzer haben sie wegen ihrer künstlerischen
Originalität oder ihrer kunsthandwerklichen Besonderheit in
Ehren gehalten. Zumeist haben sie damit auch die Erinnerung an
ihre jugendliche Schulzeit in der Osnabrücker Möser-Mittelschule
bewahrt, an der Lotte Klemm von 1919 bis 1959 tätig war.
Das in großem Umfang bereitliegende Material von künstlerischer
Qualität, die erinnerten Wahrnehmungen der Zeitzeugen und
weitere Aspekte aus der schulgeschichtlich interessanten
Biografie Lotte Klemms bildeten jetzt den Ausstellungsinhalt, an
dem der Verein seine allgemeinen Zielsetzungen und Arbeitsweisen
sichtbar machen kann.
Das Ausstellungsprojekt zu Ehren der Kunsterzieherin und
Künstlerin Lotte Klemm wurde nur möglich durch die beständige
und großherzige Unterstützung, die es durch Dorothea und
Dietrich Düring erfuhr.
Für Lotte Klemm öffneten sie Haus und Garten. Viele der
interessierenden Objekte standen schon in der frühen
Vorbereitungsphase ohne Vorbehalt zur Verfügung. Dorothea und
Dietrich Düring recherchierten dazu unermüdlich und selbständig
zu Gunsten des Unternehmens, mit dessen Zielsetzungen sie sich
bald persönlich identifizierten. Und für manch privaten
Lotte-Klemm-Fundus schufen sie dem Recherchierenden das erhoffte
Entree. Beiden ist sehr zu danken!
Herzlich dankbar bin ich der Osnabrücker Malerin Ursula Daphi.
Sie war mit Lotte Klemm seit der gemeinsamen Lehrtätigkeit an
der Möser-Mittelschule freundschaftlich verbunden. Ihr verdanke
ich sehr umfassende und tiefe Einblicke in das künstlerische
Werk Lotte Klemms.
Allen ehemaligen Schülerinnen und Schülern, die sich seit
Monaten an der Erinnerungsarbeit um Lotte Klemm beteiligten,
gilt mein besonderer Dank! Es sind nicht nur die Leihgaben und
die persönlichen Geschichten der Ehemaligen, die dem
Ausstellungsprojekt Authentizität verleihen. Es beeindruckt
besonders die hundertfache Anteilnahme, mit der in den
vorbereitenden Veranstaltungen und Einzelgesprächen des
„Fräulein Klemm“ gedacht wurde. Kaum jemand blieb von der
Erinnerung an die erzieherische Wirkung unberührt. Dennoch
entstand ein differenziertes Spektrum der Wahrnehmungen mit
entgegengesetzten Bewertungen, in denen sich im Einzelfall
Verehrung und Ablehnung gegenüberstanden.
Dank des offenen Dialogs mit den engagierten Ehemaligen wurde
das Vorbereitungsteam in der Auffassung bestärkt, in der
Ausstellung auch Kontraste und Spannungen sichtbar zu machen.
Es ist mein Bedürfnis, auch den Vereinsmitgliedern an dieser
Stelle herzlich Dank zu sagen, die an der Vorbereitung der
Ausstellung und des Katalogs großen Anteil haben. Weit über gute
Ideen hinaus haben viele von Ihnen ihre Hände eingesetzt, haben
Texte konzipiert, Korrektur gelesen oder sich als Mitgestalter
zur Verfügung gestellt. Wie fast zu jeder Aktion des Vereins
standen wieder einmal Heinz Stucke, Dr. Hans Witte und Klaus
Hallier weit über das gewöhnliche Maß hinaus tatkräftig zur
Hilfe bereit.
Der Stadt Osnabrück danke ich für generelle Unterstützung und
manch unkonventionelle Hilfe. Herrn Oberbürgermeister Boris
Pistorius sei herzlich gedankt für die Wertschätzung der
Vereinsarbeit, die er in seinem Grußwort zum Ausdruck bringt.
Manchem Besucher mag dieser Katalog die gewünschte
geschichtliche und biografische Erklärungshilfe bieten. Andere
werden ihn für den persönlichen Erinnerungsweg nutzen wollen.
Allen ein herzliches Willkommen!
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