Kein Brauchtum in Nürnberg
In
Nürnberg verblasste der Wunsch nach ewigem Gedenken. Aus dem
einmaligen Ereignis von 1650 entwickelte sich kein Brauchtum.
Selbst der historische Text aus den „Nürnberger
Handschriften“ von 1650 blieb mehr als 80 Jahre nahezu ohne
Resonanz.
Erst 1737 nahm Johann Gottfried von Meiern (10.1) den Stoff
in der ‚ACTA PACIS‘ wieder auf.
1764 war es G. A. Will 10.2, der in seiner Beschreibung der
silbernen Steckenreiterklippe
das Motiv erzählend verarbeitete und seiner Darstellung zugleich
anekdotische Züge verlieh: Befahl man in der Ursprungsquelle
noch Kindern und jungen Knaben, ihr Steckenpferd zur Hand zu
nehmen, hatte bei den späteren Chronisten und Erzählern „ein
lustiger Kopf den munteren und etwas muthwilligen Einfall“ zu
behaupten, Piccolomini habe sich vorgenommen, jedem
Steckenreiter eine Friedensgedächtnismünze zu schenken. Die
Wirkung dieser schalkhaften Idee auf die angesprochenen Knaben
kann man sich gut ausmalen.
I
m
Kern findet sich eine solche Darstellung auch in der Nürnberger
Stadtchronik von 1867 (10.4) wie auch als „Neue Erzählung“ aus
dem Jahre 1899 in dem Nürnberger Lesebuch für die
Volkshauptschule (siehe Buchdeckel (10.5)).
Aber „richtige Steckenpferde“ scheinen auf dem sonst so
berühmten Spielzeugmarkt Nürnbergs - sieht man von den beiden
schönen Exemplaren des Spielzeugmuseums aus dem Jahre 1930
einmal ab - nahezu unbekannt. Und von einem Steckenpferdritt,
der sich auf ein bestimmtes historisches Ereignis beziehen
wollte, liegen bis auf den heutigen Tag weder für die Stadt
Nürnberg noch für das Umland gesicherte Berichte vor (10.6).
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