Recherchen in der Staatsbibliothek zu Berlin
Geboren
am 13.3.1825 auf Gut Campe bei Steinfeld/Ems, gestorben am
28.06.1891 in Berlin; Schriftstellerin, Stiftsdame im adligen
Damenstift Börstel bei Osnabrück; Zu ihrem Lebenswerk zählen
mehr als 85 Gedichte, über 50 veröffentlichte Erzählungen,
Novellen, kleinere Theaterstücke und Reisebriefe. Sie gehörte -
weit über die Region des Emslandes hinaus - zu den vielgelesenen
und beliebten Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Auch ihre
Schwester Clara trat als Schriftstellerin hervor. Zeugnisse
ihrer Arbeit sind jedoch weniger in Erscheinung getreten.
Existiert noch ein Exemplar vom „Geschichtenbuch für die
Jugend“ als Original? Entsprechende Internetrecherchen führten
mit Hilfe des Nds. Staatsarchivs Osnabrück schließlich zu
folgendem Ergebnis:
Das einzig öffentlich zugängliche Bezugswerk befindet sich in
der Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin,
Preußischer Kulturbesitz. Die Einsichtnahme vor Ort erfolgte im
September 2004. Das 12 x 16 cm große Buch mit der Signatur B
VIII
23866 verfügt anstatt des Originaleinbandes über einen
bräunlich-marmorierten Ersatzdeckel. Das Vorblatt zeigt den
handgeschriebenen Besitzeintrag „Bernhard Freuler 1881“ und ein
im folgenden Scanbild dargestelltes Monogramm (CvD ?), das als
Widmung oder Eigentumsbeleg gelten könnte (?). Der Buchtitel
weist folgende Eintragungen auf:
„Geschichtenbuch für die Jugend. Wahre Erzählungen von E. und
C. v. Dincklage. Mit 4 Farbendruckbildern und 6 Holzschnitten.
Stuttgart. Kunstverlag (H. Müller). 1875.“ Emmy und Clara von
Dincklage treten beide als Herausgeber auf. Eine Zuweisung
einzelner Stücke an Emmy oder Clara scheint ohne weitere
Erkenntnisse nicht angebracht.
Auf den Seiten 133 bis 135 zeigt sich endlich unter der Nr.
28 unsere Wandersage „Die Steckenpferd-Reiter.“. Die
emsländischen Erzählerinnen verlegten in ihrer Erzählung den Ort
der Handlung kurzerhand von Nürnberg nach Osnabrück. War es nun
dichterische Freiheit oder historischer Fehlschluss? Emmy und
Clara von Dincklage ließen nicht nur den Ort des Geschehens
wechseln. Sie übertrugen das für die Zeit nach dem Abschluss des
Friedens-Exekutions-Hauptrezesses (26.6.1650) verbürgte ‚Reiten‘
auf den Tag der Verkündung des Westfälischen Friedens in
Osnabrück vom 25.10. 1648. Für eine Sage durchaus nicht
überraschend, wanderte das außergewöhnliche Ereignis an einen
neuen Ort - ohne seine Faszination einzubüßen. So brachte eine
Wandersage das Steckenpferdreiten nach Osnabrück.
Hätten die Erzählerinnen aus dem Emsland das vielleicht
schönste Randereignis am Ende des Dreißigjährigen Krieges nicht
auch der Friedensstadt Münster zuschreiben können? Emmy und
Clara von Dincklage entschieden sich für Osnabrück. Glückliches
Osnabrück!
"Die Steckenreiterklippe" - Urtext von 1875
Emmy und Clara von Dincklage veröffentlichen 1875 ihre „wahre
Erzählung“ von den Osnabrücker Steckenpferdreitern.
  
13.1 Textscan vom Original
|