Die Wandersage in der Region Osnabrück
Gut 30 Jahre nach der Veröffentlichung der Sage erschien 1909
eine Nacherzählung dazu in „Niedersachsens Sagenborn“ mit einem
Hinweis auf die beiden Schriftstellerinnen, und Ludwig
Schirmeyer nahm „Die Steckenpferdreiter“ 1920 in sein
„Osnabrücker Sagenbuch“ auf.
Den Menschen des Osnabrücker Landes wird der Stoff zur Sage
ihrer Heimat. Der Brauch sei „ein besonderes Vorrecht der
Osnabrücker Jungen“, heißt es nun in der „Heimatkunde für die
Schulen der Stadt Osnabrück und des Osnabrücker Landes“ (1956).
Und da verwundert es nicht, wenn die Umschrift des
Steckenreiterpfennigs mit dem Hinweis auf das Nürnberger
Friedensgedächtnis von 1650 wohl als irritierend erlebt wurde
und unerwähnt blieb.Nichts deutete mehr auf den historischen
Kern der Sage hin.
Das erste Osnabrücker
Steckenpferdreiten fand 1948 statt
Zeitzeugen bestätigen Termin und Durchführung. Wolfgang
Hettlich, Oberamtsrat im Zollamt Osnabrück, und Ulrich Becker,
Studiendirektor an der Ursulaschule/Gymnasium des Bistums
Osnabrück, besuchten im Herbst 1948 die Klasse 4c der
Gemeinschaftsschule I (Gebäude des heutigen Stüvehauses). Als
Beteiligte erinnern sich beide noch lebhaft an die schulischen
Vorbereitungen und den beeindruckend langen Zug der Osnabrücker
Steckenpferdreiter durch die noch weitgehend in Schutt und Asche
liegende Altstadt. Nur Jungen „mit besten Noten“ hätten sich
beteiligen dürfen. Für die zünftige Ausschmückung der
Steckenpferde, der Helme und Halskrausen seien Schuleltern und
ganz besonders die Mädchen und Jungen der Mösermittelschule
helfend eingesprungen. Als das rechte „Hopsen“ unter Anleitung
des Klassenlehrers Tobergte genügend eingeübt war, seien sie
‚losgeritten‘, wie es das Programm zur Friedensgedächtniswoche
der Stadt Osnabrück ausweist.
In der Schulchronik der Gemeinschaftsschule I für das Jahr
1948 heißt es:
„Unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle und 4 Fahnen zogen 100
Jungen, davon 20 aus der Altstädter Schule, am Freitag, dem 22.
Oktober 1948, durch die Rolandsmauer, Dielinger Straße,
Lortzingstraße und den Domhof zum Markt, wo eine unübersehbare
Menschenmenge den Zug erwartete. Zweimal umrundete die
Steckenreiterschar den Marktplatz. Dann gab es Keks für die
‚Reiter‘ und Sänger.“ Der Chronist Rektor Schwerzel wusste aber
auch zu berichten, dass ein „gefährliches Gedränge entstand, als
4 Sack Keks auf die anderen Kinder verteilt wurden.“
Die Steckenpferdreiter fuhren noch mit der Straßenbahn zum
Heimattiergarten, dort bewirtete man sie mit Kaffee und Kuchen.
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