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„Gab es in Osnabrück 1648 ein Steckenpferdreiten?“
So fragte auch die Historikerin Ilsetraut Lindemann (2.3)
in ihrem grundlegenden Aufsatz von 1991. Darin stellt sie
fest, dass die Steckenpferd-Legende ohne Rücksicht auf
tatsächliches Geschehen in Osnabrück literarisch, d.h. in
dichterischer Freiheit, verarbeitet wurde.
Was
aber war Tatsache und was Legende? Sehen wir nach den
handelnden Hauptpersonen der Zeit und vergleichen ihre
Aufenthaltsorte und Tagesabläufe nach den Quellen der
Geschichte mit den Übermittlungen aus den Legenden. Suchen
wir im Falle der Steckenpferdreiter-Legende nach den
zentralen Figuren, die am Zustandekommen des Spektakels
beteiligt waren, suchen wir nach Kaiser Ferdinand III.,
Piccolomini und den Steckenpferdreitern.
Die diesjährige Ausstellung im Dreikronenhaus versucht, nachdem
der Verein bereits 1998 in seinem Kursheft I (2.4) die Frage nach
dem zukünftigen Weg der Osnabrücker Steckenpferdreiter stellte ,
weitere Belege für den historischen Hintergrund der Wandersage
zu veröffentlichen.
Wir gehen daher zurück in das Jahr 1648 und forschen nach
Quellen, die den Augenblick der Friedensverkündung am Ende des
Dreißigjährigen Krieges dokumentieren sollen und suchen nach
Hinweisen, die nach den oben benannten Personen oder auf ein
zeitnahes Steckenpferdreiten in Osnabrück hindeuten könnten.
Neben gut ausgewerteten Vertragstexten von 1648 fällt ein
Gemälde auf, das der Dresdner Prof. Leo Gey 1880 als
monumentales Wandbild in der Aula des damaligen Realgymnasiums
an der Lotter Straße unter dem Namen „Verkündung des
Westfälischen Friedens von der Rathaustreppe in Osnabrück“
schuf. Leider ging dieses Dokument unter den Einwirkungen des
Zweiten Weltkrieges verloren. Es
existiert aber noch eine von Gerhard Sperling nach alten Skizzen
nachgeschaffene Vorlage, die auch dem nebenstehenden Druck
diente. Das Bild zeigt den Syndikus Dr. Böger, wie er dem
herbeigeeilten Volke verkündete, dass der Friede wirklich
geschlossen sei. Einen bildlichen Hinweis auf den deutschen
Kaiser Ferdinand III. oder seinen Feldmarschall Piccolomini
suchen wir darin vergebens. Und von vorbeitrabenden
Steckenpferdreitern, die noch dazu eine Schaumünze in Händen
halten, fehlt jedwede Spur. Weder in den einschlägigen Texten
noch in bildlichen Darstellungen finden sich Belege für ein
historisches Steckenpferdreiten von 1648 in Osnabrück.
Findet sich der Schlüssel für den geschichtlichen Kern des
alljährlichen Spektakels vielleicht in den Sagentexten selbst?
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