Geschichtlicher Kern
Welcher geschichtliche Kern verbirgt sich hinter der Sage von
den Osnabrücker Steckenpferdreitern, die alljährlich im Oktober
zum Lobe des Friedens über die Rathaustreppe ziehen und süße
Brezeln aus der Hand des Stadtoberhauptes erhalten? Liegen
Belege für einen Steckenritt Osnabrücker Kinder am Ende des
Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) vor? Doch wenn
geschichtliche Fakten nahelegen sollten, den Ursprung des
faszinierenden Spektakels eher außerhalb unserer Stadt zu
suchen, aus welcher Zeit und aus welchem Ort kamen dann all die
vielen Steckenpferdreiter, die uns bis auf den heutigen Tag so
farbenfreudig an das wohl schönste Randereignis des
Westfälischen Friedens erinnern wollen?
„Weiß
der Himmel, woher sie auf einmal kamen und wie es auf einmal so
viele waren“, wundert sich auch Barbara Bartos-Höppner in ihrem
„Friedensfest“ und hält sich aus allen Fragen nach der
geschichtlichen Herkunft der Reiter heraus. Ihre
Steckenpferdreiter treten auf dem Wege zur Osnabrücker
Rathaustreppe geheimnisvoll und entschieden auf, so, als hätten
sie einen besonderen Auftrag zu erfüllen. Und dabei wollen sie
sich aber auch durch niemanden aufhalten lassen.
Innerlich bewegt traben auch unsere Viertklässler von heute an.
Durch Elternhaus und Schule vorbereitet, spüren sie, dass ihr
‚Ritt‘ generell dem Frieden gilt und zugleich an die Verkündung
des Westfälischen Friedens vom 25.10.1648 in Osnabrück erinnern
soll. Das Hintergrundwissen haben sie in der Regel aus dem von
Dr. Heinrich Koch bearbeitetem Schulbuch „Osnabrück einst und
jetzt“. Es liegt in der Erstfassung von 1976 vor und zählt zu
den weit verbreiteten Sach- und Arbeitsbüchern an unseren
städtischen Grundschulen.
„Die Steckenpferdreiter von Osnabrück“ prägen dann auch das
Bild, das die Osnabrücker Kinder in den letzten 20 Jahren von
den sagenhaften Ereignissen verinnerlicht haben. Ab Seite 73 ist
dort zu lesen, dass „dieser schöne Brauch... ein besonderes
Vorrecht der Osnabrücker Jungen“ sei und dass Herzog Piccolomini
den Frieden herbeigeführt habe.
Weiter heißt es: „Ganz Osnabrück war auf den Beinen, um den
hohen Gast zu sehen. Nur die Osnabrücker Jungen durften nicht
dabei sein.“ Trotzig hätten sie ihrem Wunsch nach Teilnahme
Nachdruck verliehen und mit einer Überraschung aufgewartet. 1476
‚Reiter‘ auf Steckenpferden seien herbeigaloppiert und hätten
sich so gebärdet, als wären sie „von der wildesten Sorte“. Der
Herzog habe gelacht. Bald darauf sei der „Westfälische Friede“
von der Treppe des Osnabrücker Rathauses verkündet worden.
Der deutsche Kaiser in Wien „soll sogleich befohlen haben, für
die Steckenpferdreiter besondere Pfennige zu schlagen. Diese
Pfennigstücke waren viereckig und zeigten auf der einen Seite
einen Jungen, der auf einem Steckenpferd reitet.“
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