Weitere Recherchen
Historisch belegt dagegen ist, dass Piccolomini auf Anordnung
des Kaisers nach Abschluss der Friedensexekutionsverhandlungen
von 1650 eine große Zahl von Gedächtnispfennigen prägen und an
das Volk verteilen ließ.
„In Erfurt, Nördlingen, Nürnberg, Regensburg, Sachsen-Gotha,
Sachsen-Weimar und Württemberg wurden die
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Mit dem Steckenreiterpfennig von 1650
rückt erstmals das Bild eines Kindes im Zusammenhang mit einem
historischen Ereignis von europäischer Tragweite in den
Vordergrund. Unter den vielen Huldigungsprägungen am Ende des
Dreißigjährigen Krieges findet sich kein vergleichbares Motiv.
Wird das Kinderspielzeug zuerst von
Johann Ayrer (+ 1605 in Nürnberg) erwähnt, taucht der Name „Steckenpferdreiter“
erstmals Ende des 16. Jahrhunderts in Nürnberger Spieltexten
auf. Als „bunte Nürnberger“ sind sie bekannt, und ihr
Erscheinungsbild erreichte schließlich als ausgesprochenes
Charakteristikum der Jugendzeit symbolhafte Bedeutung.
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Gedächtnismünzen sogar an die Schuljugend verteilt, um die
Friedensfreude in die nächste Generation weiter zu vermitteln.“
Bedurfte der Steckenpferdreiter da überhaupt noch des
konkreten ‚Rittes‘, um auf die Silbermünze zu gelangen? Die
Frage hat ihre Berechtigung. Schon 1612 existierte eine Klippe
mit dem Bild eines Steckenpferdreiters, deren Prägung nach
erklärter Auffassung des Chronisten G. A. Will (6.1) aber nicht
im Zusammenhang mit irgendeiner besonderen Begebenheit stand.
Weitere Recherchen im Staatsarchiv Nürnberg führten endlich
zur erhofften Klärung. Von den eingesehenen historischen Texten
boten die ereignisnah dokumentierten „Nürnberger Handschriften“
für das Jahr 1650 den entscheidenden Beleg. Kinder und junge
Knaben fühlten sich dieser Quelle zufolge bewogen, mit
Steckenpferden vor den Fürsten zu reiten und um ein
Friedensgedächtnis zu bitten. Und am folgenden Sonntag habe man
Friedenspfennige ausgegeben, die auf einer Seite einen Knaben
mit einem Steckenpferd zeigten.
Dr. Peter Fleischmann, Leiter des Staatsarchivs Nürnberg,
wertete den entsprechenden Eintrag als verbindliche Quelle. Der
geschichtliche Kern der Sage von den Osnabrücker
Steckenpferdreitern ist damit bestätigt. Fest steht auch, dass
Piccolomini in Nürnberg silberne Steckenreiterklippen unter den
Kindern zu ‚ewigem Andenken‘ austeilen ließ, den eigenen Ruhm
und den seines Kaisers durchaus einkalkulierend.
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