"Nürnberger Münzbelustigungen" im Jahre 1764
Über die Steckenpferdreiter-Klippe berichten die
“Nürnberger-Münz-Belustigungen” im Jahre 1764:
[...]
“Es ist im Jahre 1650 bekannter Maßen der Executions-Receß
des Westphälischen Friedens zu Nürnberg glücklich, obwohl nach
vielen Schwierigkeiten, zu Stande gekommen. Der Magistrat hat
zur Bezeigung seiner Freude alle Gefangenen loß gelassen; im
August wurde das allgemeine Dank- und Friedens-Fest auch in
Nürnberg gefeiert, und es fehlte übrigens an andern Festivitäten
und Lustbarkeiten nicht; die Joh. Klai in der Irene, das ist der
vollständigen Ausbildung des zu Nürnberg geschloßnen Friedens
1650 mit vielen feyerlichen Begegnißen, Gastmahlen, Feuerwerken,
Musiken und andern denkwürdigen Begebenheiten beschrieben und
abgebildet hat.
Wie
schier alles zur Richtigkeit gebracht und vorbey war, hatte ein
lustiger Kopf den muntern und etwas muthwilligen Einfall, unter
den kleinen Gassenjungen der Stadt auszusprengen, daß der
Kaiserliche Principal-Commissarius, Herzog von Amalfi, Octavius
Piccolomini, sich vorgenommen habe, einem jeden Knaben, der
morgenden Tages, so ein Sonntag war, auf einem Steckenpferde vor
sein Quartier würde geritten kommen, eine Gedächtniß-Münze oder
sogenannten Friedens-Pfennig zu verehren. Man kann sich die
Wirkung dieses Einfalls leicht einbilden. Es kam des andern
Tages eine große Menge solcher Steckenreiter, in verschiedene
Schwadronen vertheilet, vor ermeldten Herzogs Quartier auf dem
Weinmarkte geritten. Um ihre Ankunft zu notifizieren, ließen sie
ihre hölzernen Gäule wiehern und stampfen und in der Straße
herumtummeln.
Der Herzog, welcher gar bald den Lerm hörte und diese
wunderliche Cavalcade am Fenster erblickte, lies die
Steckenreiter, oder etwann ihre Officiers, fragen, was sie mit
dieser ihrer besonderen Gegenwart haben und anzeigen wollten. Er
kriegte die Erklärung und lachte herzlich des Possens, der
hiemit gespielet wurde. Damit jedoch die Knaben nicht unmuthig
und betrübt heim ritten, lies er sie über 8 Tage vertrösten;
jedoch mit dem Bedeuten, daß sie in dem nemlichen Aufzug wieder
erscheinen sollten. Sie kamen und brachten noch mehr Schwadronen
von Rekruten, die sich zum Erstaunen häuften, mit, und trabten
auf ihren hölzernen Pferden ganz kühn und trotzig daher. Der
Fürst hatte inzwischen unsern viereckigen silbernen Pfennig,
zehn Kreutzer am Werth, in großer Zahl prägen und einem jedweden
Jungen, der in der hölzernen Equipage erschien, mit großen
Freuden zu ewigem Andenken austheilen lassen. Die Knaben ritten
noch vergnügter, als vor acht Tagen, nach Hause und ein
freudiges Vivat ertönte durch die Straßen, die sie paßirten.
Viele von diesen Gedächtniß-Pfennigen wurden vergüldet und
angeöhrt und man sieht sie noch häufig bis auf den heutigen
Tag.”
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