» Sonderausstellung zur Geschichte des Osnabrücker Steckenpferdreitens
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Einführung
Gab es in Osnabrück 1648 ein Steckenpferdreiten?
Geschichtlicher Kern 
Beginn in Nürnberg 1650 
Die Steckenreiterklippe von 1650
Weitere Recherchen 

"Nürnberger Handschriften" von 1650

Literarische Belege von 1650
"Nürnberger Münz-Belustigungen" im Jahre 1764
Kein Brauchtum in Nürnberg
Die "wahre Erzählung" von Emmy von Dincklage
"Die Steckenreiterklippe" - Urtext von 1875
Die Wandersage in der Region Osnabrück
Das erste Osnabrücker Steckenpferdreiten 1948
Steckenreiterfeste ab 1953
Zusammenfassung
Nachbereitung
Quellen
 

"Nürnberger Münzbelustigungen" im Jahre 1764

Über die Steckenpferdreiter-Klippe berichten die “Nürnberger-Münz-Belustigungen” im Jahre 1764:

[...]

“Es ist im Jahre 1650 bekannter Maßen der Executions-Receß des Westphälischen Friedens zu Nürnberg glücklich, obwohl nach vielen Schwierigkeiten, zu Stande gekommen. Der Magistrat hat zur Bezeigung seiner Freude alle Gefangenen loß gelassen; im August wurde das allgemeine Dank- und Friedens-Fest auch in Nürnberg gefeiert, und es fehlte übrigens an andern Festivitäten und Lustbarkeiten nicht; die Joh. Klai in der Irene, das ist der vollständigen Ausbildung des zu Nürnberg geschloßnen Friedens 1650 mit vielen feyerlichen Begegnißen, Gastmahlen, Feuerwerken, Musiken und andern denkwürdigen Begebenheiten beschrieben und abgebildet hat.

 
Wie schier alles zur Richtigkeit gebracht und vorbey war, hatte ein lustiger Kopf den muntern und etwas muthwilligen Einfall, unter den kleinen Gassenjungen der Stadt auszusprengen, daß der Kaiserliche Principal-Commissarius, Herzog von Amalfi, Octavius Piccolomini, sich vorgenommen habe, einem jeden Knaben, der morgenden Tages, so ein Sonntag war, auf einem Steckenpferde vor sein Quartier würde geritten kommen, eine Gedächtniß-Münze oder sogenannten Friedens-Pfennig zu verehren. Man kann sich die Wirkung dieses Einfalls leicht einbilden. Es kam des andern Tages eine große Menge solcher Steckenreiter, in verschiedene Schwadronen vertheilet, vor ermeldten Herzogs Quartier auf dem Weinmarkte geritten. Um ihre Ankunft zu notifizieren, ließen sie ihre hölzernen Gäule wiehern und stampfen und in der Straße herumtummeln.

Der Herzog, welcher gar bald den Lerm hörte und diese wunderliche Cavalcade am Fenster erblickte, lies die Steckenreiter, oder etwann ihre Officiers, fragen, was sie mit dieser ihrer besonderen Gegenwart haben und anzeigen wollten. Er kriegte die Erklärung und lachte herzlich des Possens, der hiemit gespielet wurde. Damit jedoch die Knaben nicht unmuthig und betrübt heim ritten, lies er sie über 8 Tage vertrösten; jedoch mit dem Bedeuten, daß sie in dem nemlichen Aufzug wieder erscheinen sollten. Sie kamen und brachten noch mehr Schwadronen von Rekruten, die sich zum Erstaunen häuften, mit, und trabten auf ihren hölzernen Pferden ganz kühn und trotzig daher. Der Fürst hatte inzwischen unsern viereckigen silbernen Pfennig, zehn Kreutzer am Werth, in großer Zahl prägen und einem jedweden Jungen, der in der hölzernen Equipage erschien, mit großen Freuden zu ewigem Andenken austheilen lassen. Die Knaben ritten noch vergnügter, als vor acht Tagen, nach Hause und ein freudiges Vivat ertönte durch die Straßen, die sie paßirten. Viele von diesen Gedächtniß-Pfennigen wurden vergüldet und angeöhrt und man sieht sie noch häufig bis auf den heutigen Tag.”

[...]

 
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